|
Aus der Geschichte von Pölitz und Umgebung
Die Stadt Pölitz
ist eine der ältesten Ortschaften in Westpommern. Ihre Anfänge
reichen bis in das 9. Jahrhundert zurück. In dieser Zeit entstand
die Burg mit Burgsiedlung, die sich an der heutigen Grenze von Pölitz
und Messenthin befindet. Es muss auch erwähnt werden, dass
man zahlreiche Spuren der Lausitzer Kultur in Form von Münzen
und Schmuck auf diesem Gebiet fand. Aus mittelalterlichen Urkunden
geht hervor, dass die Siedlung in den Jahren 1243-1259 dem Ritter
Bartolomäus gehörte. Nach dessen Tod, er starb wahrscheinlich
kinderlos, ging Pölitz in die Hände des Stettiner Herzogs
Barnim I. über. Er schenkte dem Ort die Stadtrechte (1260)
und trug danach zu dessen Entwicklung bei. Außerdem erhielt
die Stadt Pölitz 68 Hufen Ackerland und zwei Inseln in der
Oder, das Zollrecht im Durchgangsverkehr und freien Fischfang. Auf
dem Stadtwappen ist ein weißer Greifenkopf auf blauem Hintergrund.
In den mittelalterlichen Urkunden
findet man unterschiedliche Schreibweisen des Stadtnamens. Erste
Nennungen waren: Polyz oder Politz, später schrieb man Pulitze
und Pulitz. Diese Bezeichnungen sind wahrscheinlich vom polnischen
Wort "pole" (Feld) oder "opole" abgeleitet.
Aus anderen Quellen geht hervor, dass es auf das slawische Wort
"polic" - "Moor" oder "Sumpf" zurückgeht.
Die Bewohner betrieben hauptsächlich Viehzucht, Hopfenanbau,
Handwerk, Acker- und Bootsbau. Diese Beschäftigungen brachten
den Bürgern die wesentlichsten Einnahmen. Leider wurde die
weitere Stadtentwicklung durch eine Verordnung des Herzogs Otto
I. im Jahre 1321 stark beeinträchtigt. Laut dieser Urkunde
verlor die Stadt Pölitz ihre Unabhängigkeit und wurde
der Stadt Stettin untergeordnet. Dieser Zustand dauerte bis zum
Jahre 1808. Außer auferlegten zu zahlenden Gebühren und
Steuern besaß Pölitz auch das Recht zur Ernennung des
Schultheisses und eines Gerichtsrates. Sogar die kirchliche Gerichtsbarkeit
über die Stadt wurde der Marienkirche in Stettin im Jahre 1286
übertragen. Pölitz besaß zwar ein Gebiet an der
Oder, das der Herzog Bogislaw IV. der Stadt geschenkt hatte, aber
die Stettiner Verwaltung erlaubte nicht, in Pölitz einen Konkurrenzhafen
zu errichten. Es konnten nur kleine Anlegestellen für Fischer
entstehen, aber auch diese waren vom Stettiner Hafen abhängig.
Die historische Bebauung von
Pölitz bildete ein reguläres Viereck von 650 x 350 m.
Quellen über eine Stadtmauer sind nicht vorhanden, nur die
Namen von vier Stadttoren sind bekannt: das Stettiner oder Mühlentor,
das Mitteltor, das Hopfen- oder Jasenitzer Tor und das Wassertor.
Im Jahre 1592 gab es in der Stadt 109 Bauernhöfe und Wohngebäude.
Die Zahl ihrer Bewohner betrug etwa 500. Bis zum Jahre 1753 stieg
die Zahl der Gebäude auf 153. Die Häuser wurden aus Holz
mit Strohdächern in Fachwerkkonstruktion errichtet. Im 16.
und 17. Jahrhundert verwüsteten mehrere Feuersbrünste
die Stadt. So brannten 1510 das Rathaus und die Marienkirche nieder.
Sie wurde später wegen Baufälligkeit abgerissen, außer
der Kapelle, die bis heute noch erhalten ist. Zeiten von Unruhe,
Kriege und Gewalttaten haben auch die Stadt nicht verschont. Zuerst
war es der Dreißigjährige Krieg, der sich katastrophal
auf die Lage der Bevölkerung auswirkte. Die Stadtbewohner mussten
nämlich für die Einquartierung der kaiserlichen Soldaten
Albrechts von Wallenstein sorgen. Dadurch schrumpften natürlich
ihre eigenen Vorräte. Diese Kriegseinwirkungen endeten schließlich
mit dem Westfälischen Frieden. Leider begann nach mehreren
Jahrzehnten der schwedisch - brandenburgische Konflikt in Pommern,
der in die Geschichte als Nordischer Krieg (1700-1720) einging.
Auch in Pölitz waren russische Soldaten einquartiert. Nach
Abschluss des Friedens in Stockholm kehrte Pommern zu Preußen
zurück. Das war jedoch nicht das Ende der Streitigkeiten. Infolge
des napoleonischen Krieges in Europa war auch das Pölitzer
Gebiet durch die französische Armee (1807-1812) besetzt worden.
Auf Grund des Wiener Abkommens von 1815 wurde das betroffene Gebiet
Preußen wieder zugesprochen.
Auch schlimmen Hochwasserüberflutungen
durch die Oder konnte Pölitz nicht entgehen. Mit Bestimmtheit
haben sie 1909 und 1913 stattgefunden. Während des winterlichen
Tauwetters erstreckte sich der Oderpegel bis zum Stadtrand. Das
löste natürlich Panik unter der Bevölkerung aus.
Schließlich beschloss die Stadt, einen Wall zu errichten und
das Niveau einiger Straßen zu erhöhen, um so die Stadt
vor weiteren Überschwemmungen zu schützen.
In der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts blühte Pölitz auf. Ein großes
Einkommen der Bürger war der Hopfenanbau. Die Ernte war damals
so gut, dass sie ohne Schwierigkeiten auf dem Londoner Markt verkauft
werden konnte. In jener Zeit war auch die Nachfrage nach Bootsbau
und Schiffsbaumeistern gestiegen. Im Jahre 1736 verzeichnete die
Innung 14 Schiffsbaumeister, 1780 bereits 129. Jedoch fand der richtige
Aufschwung in diesem Gewerbe erst im Jahre 1808 statt, als Pölitz
seine Autonomie wieder erhalten hatte. Es wurden ein keramisches
Unternehmen eröffnet, eine ständige Bootsverbindung mit
Swinemünde eingerichtet und 1898 die Bahnlinie nach Stettin
errichtet. Seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erschien auch
eine Pölitzer Zeitung, das "Pölitzer Wochenblatt"
(1878). Bedeutsam entwickelte sich das Schulwesen dank der Eröffnung
des Königl. Evangelischen Lehrerseminars (1862). Der erfolgreiche
Abschluss dieser Schule eröffnete die Möglichkeit, eine
Anstellung in den Grundschulen zu bekommen. Die Kandidaten wurden
jedoch zuerst für zwei Jahre an der Präparandenanstalt
vorbereitet.
Im 19. Jahrhundert wurden solide
gemauerte Häuser errichtet. Sie waren hauptsächlich für
den öffentlichen Dienst bestimmt (Grundschulen, Krankenhaus,
Post, Bahnstation). Ein großes Rathaus wurde im Jahre 1906
gebaut, in dem die Stadtverwaltung, das Stadtgericht mit Arrestzelle
und ein kleines Stadtmuseum untergebracht waren. Modernisiert wurde
auch die Werft. Sehr wichtig war die Eröffnung der regelmäßigen
Fähre "Randow" nach Langenberg (Swieta).
Ganz andere Zeiten, sowohl
für Pölitz als auch für die gesamte Region, traten
in den Jahren 1935-38 ein. Hier sollte das Wirtschaftspotential
ausgebaut werden, in dem für Pölitz eine wichtige Rolle
in der Kriegsplanung vorgesehen war. Im Jahre 1937 war die Entscheidung
über den Bau der "Hydrierwerke Pölitz AG" gefallen.
Der Hauptinvestor waren die IG Farben. In diesem Zusammenhang entstand
im Nordteil von Pölitz eine neue Wohnsiedlung mit Infrastruktur.
Am 01.10.1939 wurde der Kreis Randow aufgelöst und Pölitz
in die Stadt Groß-Stettin eingemeindet. Auf dem Gelände
um die Hydrierwerke wurden für mehrere tausend ausländische
Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene Gemeinschaftslager errichtet,
z.B. Pommernlager, Nordlager, Tobruklager, Wullenweferlager, Dr.
Dürrfeldlager, Arbeitserziehungslager "Hägerwelle"
und eine Strafkompanie auf dem Dampfer "Bremerhaven" für
100 polnische Arbeiter. Die Zahl der beschäftigten Zwangsarbeiter
überschritt bedeutend die Einwohnerzahl von Pölitz. Im
Herbst 1944 wurde in Pölitz-Messenthin das KZ Stutthof - Außenlager
Pölitz errichtet. Das Bestehen von kriegswichtigen Anlagen
hat dazu beigetragen, dass sie zahlreichen Luftangriffen der Alliierten
Luftwaffe ausgesetzt waren. Die ersten Angriffe aus der Luft durch
die Alliierten gab es bereits im August 1940, die schwersten fanden
jedoch im Jahre 1944 statt. Nach jedem Luftangriff wurden die Hydrierwerke
wieder aufgebaut oder repariert. Im März 1945 befand sich die
gesamte Stadt, einschließlich der Hydrierwerke, unter dem
Feuer russischer Artillerie. In dieser Zeit begannen deutsche Behörden
mit der Evakuierung der Lager in den Westen. Am 26. April 1945 eroberte
die sowjetische Armee die Stadt Pölitz und das Fabrikgelände.
Auf Grund einer Vereinbarung zwischen den polnischen Behörden
und dem sowjetischen Militärkommando wurde die sogenannte Pölitzer
Enklave mit Odermünde, Messenthin, Pölitz, Jasenitz, Damuster,
Königsfelde, Hammer, Wilhelmsdorf und Ziegenort errichtet.
Die deutsche Verwaltung mit dem Landrat Erich Spiegel blieb noch
auf dem Gebiet. Diese Enklave befand sich bis zum 25.September 1946
unter sowjetischer Militärverwaltung der Besatzungszone Mecklenburg.
Auf dem Gebiet der Fabrik "Hydrierwerke AG" wurde ein
Lager für deutsche Kriegsgefangene errichtet, die bei der Demontage
der Anlage beschäftigt waren. Während dieser Zeit unterhielt
Pölitz keinerlei Kontakte mit polnischen Behörden in Stettin.
Nur das Postamt der Stadt hatte postalische Verbindung mit der deutschen
Post in der sowjetischen Besatzungszone Mecklenburg - Vorpommerns.
Dieser Postbetrieb wurde erst am 24. September 1945 unterbrochen,
als das polnische Postamt in Stettin in dieser Enklave den Postverkehr
ihrem angegliedert hatte. Am 7. September 1946 hatte die polnische
Stadtverwaltung die Vorstadt Messenthin, am 19. September Pölitz
und Jasenitz und erst am 25. September das Fabrikgelände der
ehemaligen Hydrierwerke übernommen. In dieser Zeit kamen auch
die ersten polnischen Ansiedler. Im Jahre 1953 wurden in der Pölitzer
Siedlung die politischen Flüchtlinge aus Griechenland und Mazedonien
aufgenommen. In den nachfolgenden Jahren begann der Aufbau der Stadt
Pölitz. Seit 1965 waren bestimmte Änderungen eingetreten,
die mit dem Bau des Chemischen Kombinats Police verbunden waren.
Diese Arbeiten wurden nach vier Jahren beendet.
Zahlreiche Dörfer, die
jetzt zur Kreisverwaltung Police gehören, sind wichtig für
den Bereich der Touristik und Erholung. Einige Dörfer besitzen
sogar wertvolle Baudenkmäler. Eine bedeutsame Investition war
die Eisenbahnlinie Stettin-Jasenitz-Ziegenort, gebaut in den Jahren
1898-1910. Während der Fahrt kann man die kleinen Bahnhofsstationen
und die schöne Landschaft bewundern. Seit jener Zeit sind zahlreiche
Erholungs- und Badeorte entstanden. Die Bewohner Stettins besuchten
mit Freude das Haffbad Ziegenort und Messenthin. Besonders schnell
hat sich Ziegenort als Badeort mit kleinem Hafen und guter Bahnverbindung
entwickelt. Die Ansichtskarten zeigen eben die Hotels und Gaststätten
mit Sommergärten, die gern an Wochenenden und Feiertagen besucht
wurden. Zahlreiche dieser schönen Plätze sind leider zerstört
worden. Die Spuren ihrer vergangenen Schönheit können
wir jetzt nur noch auf alten Ansichtskarten bewundern. In einigen
Dörfern der Region sind Herrenhäuser erhalten geblieben,
die zum Besitz reicher Familien gehörten, z.B. in Hohenleese
und Sonnenwald. Zu den größeren Ortschaften der Gegend
gehört Jasenitz, heute ein Stadtviertel von Pölitz. Das
war ehemals eine Siedlung von Augustinermönchen, die hier im
13. Jahrhundert ein Kloster besaßen. Später wurde das
Kloster Eigentum der Benediktinermönche. Die Viktorianermönche,
als letzter erwähnter Orden, entwickelten die Landwirtschaft
und das Schulwesen in Jasenitz bedeutend. Im 18. Jahrhundert wurde
die alte Kirche abgebrochen und eine neue errichtet. Das war die
Epoche, in der das Klostergut als staatliche Domäne verfiel
und im Jahre 1837 an reiche Familien verkauft wurde. Heute wird
die Ruine des Klosters wieder aufgebaut und soll als Architekturdenkmal
erhalten werden. Seit dem 19. Jahrhundert änderte Jasenitz
seinen Charakter als Dorf.
Nach dem Kriege
ist die alte Bebauung von Pölitz nur im kleinen Ausmaß
erhalten geblieben, verschwunden sind die Baudenkmäler und
alte Stadtarchitektur. Ähnliche Schicksale haben die umliegende
Dörfer betroffen, es gibt nicht mehr viele Herrenhäuser
und Dorfhütten in Fachwerkkonstruktion. Es sind von ihnen nur
alte Postkarten geblieben, die das damalige Aussehen und Klima vergangener
Epoche darstellen.
Dr. Bogdan Frankiewicz
|